Vorsaatkalkung im Rübenanbau

Schluffreiche Böden neigen zur Verschlämmung.

Der Grundstein für die Ernte wird vor der Saat gelegt

Im Rübenanbau ist eine stabile, krümelige Oberflächenstruktur wichtig für einen gleichmäßig hohen Feldaufgang und eine zügige Jugendentwicklung. Veränderte Anbaugewohnheiten machen die Gare heute notwendiger denn je.

Die Saat auf Endbestand mit Fingerdruckrollen in vertieften Saatrinnen, die Reduzierung der mechanischen Bodenlockerung nach der Saat (Hacken) und die zunehmende Oberflächenversauerung durch physiologisch saure Dünger (BASS, ASS) verstärken die negativen Auswirkungen einer schlechten Oberflächenstruktur.

Eine Oberflächenverkrustung wirkt sich nicht nur negativ auf den Feldaufgang, sondern auch auf Luft- und Wasserführung im Boden aus. Regenwasser kann nicht in den Boden eindringen und führt zur Erosion. Sauerstoff gelangt nicht mehr in den Boden, im Gegenzug kann das Kohlendioxid aus der Organismenatmung den Boden nicht verlassen und reichert sich an. In Verbindung mit Wasser bildet sich daraus Kohlensäure. Dadurch wird der Kalk verbraucht und die Struktur zusätzlich geschädigt.

Einen garen Boden kann man auf unterschiedlichen Wegen mit unterschiedlicher Dauerhaftigkeit erreichen. Die intensive Gare ist die Frostgare, die in der Lage ist, auch schwerste Böden flächig und je nach Temperatur bis in größere Tiefen zu lockern. Die Dauerhaftigkeit ist aber gering, da frostgare Böden nach dem Abtauen relativ schnell wieder verdichten und verkrusten.

Die mechanische Gare durch die Bodenbearbeitung liefert optisch das beste Bild. Sie ist aber nur oberflächlich, während der Unterboden durch die Befahrung mehr oder weniger stark verdichtet wird. Für die Stabilität der Gare gilt: Je feiner die Krümelung, desto kürzer die Beständigkeit.

Dauerhafter ist die Lebendverbauung. Bei ihr verkleben Mikroorganismen und Regenwürmer durch ihre Stoffwechselausscheidungen, Bodenteilchen und organische Reste miteinander. Förderlich wirkt sich eine organische Düngung, die flache Einarbeitung von Ernterückständen und Zwischenfrüchten sowie eine Reduzierung der Bodenbearbeitung aus. Der Zwischenfruchtanbau liefert zudem über die Wurzelmasse ein Drainagesystem im Unterboden und über die Grünmasse einen partiellen Verschlämmungsschutz an der Oberfläche. Besonders auf schweren, tonreichen Böden ist eine Verbesserung des Humusgehaltes und der biologischen Aktivität auch mit diesen Maßnahmen nur in sehr geringem Umfang möglich. Beim Abbau von organischer Substanz zu Huminsäuren wird Kalk verbraucht. Dieser Verlust muss durch die Erhaltungskalkung ersetzt werden, um eine schleichende Verschlechterung der Bodenstruktur zu vermeiden. Außerdem fördert Kalk die Mikroorganismen - Tätigkeit und stabilisiert die Verbauung.

Die Gare, die am leichtesten durch ackerbauliche Maßnahmen zu beeinflussen ist und zudem eine lange Haltbarkeit aufweist, ist die Kalk - Gare. Die Kalkmoleküle werden beim Branntkalk durch Wasser und bei kohlensauren Kalken, wie z.B. Feuchtkalk und Carbonatkalk, durch Säuren in zwei Bestandteile zerlegt. Der eine Teil neutralisiert Säuren und hebt somit den pH-Wert an. Der andere Teil sind doppelt positiv geladene Calcium-Ionen (Ca++). Tonminerale und Huminstoffe haben eine negative Oberflächenladung und ziehen deshalb die gelösten Ca++ -Ionen zu sich hin.

Da die Ca++ -Ionen zwei positive Ladungen haben, sind sie in der Lage, durch Brückenbindungen verschiedene Ton- oder Humusteilchen zu größeren porösen Komplexen zu verbinden. Dadurch wird der Boden lockerer. Im feuchten Zustand sind diese Komplexe aber noch nicht stabil.

Ist genügend gelöster Kalk im Bodenwasser vorhanden, so zieht er sich beim Abtrocknen in die Porenwinkel der Krümel zurück, verwandelt sich dort in Calciumcarbonat und vermörtelt so die Krümel zu stabilen, dauerhaften Gefügen. Deshalb  ist ein Boden, der nach der Saat gut abgetrocknet ist wesentlich strukturstabiler als einer der unmittelbar vor einem Regen bearbeitet wurde.

Um eine Kalkgare zu erzeugen, ist es wichtig, dass kurzfristig hohe Mengen an gelöstem Kalk zur Verfügung stehen. Dies erreicht man am besten mit schnell löslichem Branntkalk, da sich Feuchtkalk oder Carbonatkalk besonders bei höheren pH-Werten relativ langsam lösen.

Freier Kalk wird durch 10 %-ige Salzsäure nachgewiesen.

Die Kalkgare kann mit einer 10%igen Salzsäure aus der Apotheke oder Drogerie überprüft werden Schäumt der Boden beim Beträufeln mit Säure auf, so ist ausreichend Kalk vorhanden. Ist dies nicht der Fall, so wirkt sich eine Vorsaatkalkung mit ca. 1 t je Hektar Branntkalk positiv auf die Bodenstruktur aus.

Eine Vorsaatkalkung mit Branntkalk stabilisiert die Frostgare, fördert die Lebendverbauung und verbessert dadurch die Oberflächenstruktur.

Rainer Keller