Kalkdüngung und Spurenelemente

In den letzten 5 Jahren hat sich die Diskussion um die Spurenelementversorgung der Pflanzen verstärkt. Stetig steigende Ernteerträge mit dementsprechend höheren Nährstoffentzügen sind hierfür verantwortlich. Ein Aspekt, der hierbei immer wieder diskutiert wird, ist die Frage, inwieweit eine Kalkdüngung Einfluß auf die Verfügbarkeit der Spurenelemente nimmt.

Spurenelemente werden, wie es der Name schon zum Ausdruck bringt, in relativ kleinen Mengen von der Pflanze aufgenommen. Die wichtigsten Nährstoffe in dieser Rubrik sind Bor, Mangan, Kupfer, Zink, Molybdän und Eisen. Im Gegensatz zu den Hauptnährelementen, wie Stickstoff, Phosphat, Kali, Calcium, Magnesium und Schwefel, die in Mengen von 30 - 400 kg/ha von den Pflanzen aufgenommen werden, liegt der Bedarf bei den Spurenelementen im Bereich zwischen 5 und 700 g/ha.

Wann können Spurenelementmangelerscheinungen auftreten?

Der Gehalt an Spurenelementen im Boden ist sehr stark vom Standort, d. h. vom Ausgangsmaterial (Verwitterung) abhängig. Wobei nicht der Gesamtgehalt, sondern vielmehr der gelöste, pflanzenverfügbare Anteil des Elementes entscheidend ist.

Aufschluß hierüber gibt eine gezielte Bodenuntersuchung hinsichtlich des Spurenelementgehaltes des jeweiligen Standortes mit einer detaillierten Empfehlung zum Standort

Tabelle: Entzüge durch Weizen und Zuckerrüben und durchschnittliche Gehalte wichtiger Spurennährstoffe im Boden. Quelle: BAD.

Spuren-
nährstoffe


Entzüge (g/ha u. Jahr)


Durchschnittlicher Gesamtgehalt in
Krume von Mineralböden (g/ha)
- Größenordnung -



Weizen

Zuckerrübe



Korn +
Stroh

Korn

Rübe +
Blatt

Rübe

Fe

960

420

750

450

20.000.000 - 120.000.000

Mn

600

240

600

350

300.000 - 1.500.000

Zn

390

300

300

350

20.000 - 200.000

Cu

66

30

75

45

10.000 - 100.000

B

54

24

475

300

3.000 - 100.000

Mo

4

2

5

3

1.000 - 10.000

Eine Düngung/Spritzung ist empfehlenswert bei niedrigen Gehaltslagen. Sind die Bodengehalte in der Gruppe hoch, so ist von einer Applikation abzuraten. Bei optimalen Werten ist eine Spurenelementdüngung bei äußeren Streßsituationen, wie z.B. längeren Kälteperioden oder andauernder Trockenheit, möglich. Die verminderte mikrobielle Aktivität bzw. das Fehlen des Lösungs- und Transportmittels Wasser kann in solchen Fällen die Verfügbarkeit gewisser Spurenelemente beeinflussen. Bei Anbau von Kulturen mit einem erhöhten Bedarf an Spurenelementen, wie z.B. bei der Zuckerrübe Bor, ist eine Zudüngung sinnvoll.

Tabelle: Gehaltsstufen von Bor und empfohlene Düngung, Quelle: LBP

Gehaltsstufe

leichte Böden

mittlere und schwere Böden

Borgehalt
(mg B/kg Boden,
Heißwasserauszug)

empfohlene
Bordünge-
menge
(g B/ha)

Borgehalt
(mg B/kg Boden,
Heißwasserauszug)

empfohlene
Bordünge-
menge
(g B/ha)

niedrig

< 0,30

400-800

1.000-1.500

< 0,40

500-1.000

1.000-2.500

optimal

0,30 -0,60

---

---

0,40 -0,80

---

---

hoch

> 0,60

---

---

> 0.80

---

---

Treten natürlicherweise hohe pH- Werte von über pH 7 auf, wie z.B. in Schwemmlandgebieten, so kann bei einigen Spurenelementen (Mangan, Bor), insbesondere bei geringen Bodenwerten, die Verfügbarkeit herabgesetzt sein.

Spurenelementfestlegungen treten jedoch in aller Regel nicht nach Kalkdüngungsmaßnahmen auf, die auf Düngungsempfehlungen im Rahmen einer Bodenuntersuchung basieren.

Die empfohlenen Kalkmengen sind hier detailliert auf den Ausgangs-pH-Wert und die jeweilige Bodenart abgestimmt. Eine Überkalkung der Standorte mit der Folge von zu hohen pH-Werten kann deshalb nicht auftreten.

Zur Zeit wird sehr viel, über die Düngung mit Spurenelementen gesprochen, ohne vorher über eine Bodenuntersuchung den verfügbaren Gehalt des Standortes geprüft zu haben.

Erst diese Untersuchung erlaubt es, sachlich und fundiert eine Aussage über die Düngung mit Spurenelementen zu treffen.

Anzumerken ist, daß durch die zur Zeit in vielen Gebieten vorherrschenden schlechten Kalkversor-gungszustände der Ackerstandorte und der damit verbundenen geringeren Nährstoffnachlieferung und schlechten Bodenstruktur den Landwirten ein vielfaches mehr an Ertrag verloren geht als durch einen "vermeintlichen" Spurenelementmangel.

Peter Kratzer