Bodenverdichtung - Schaden auf lange Sicht?

Vielerorts wurden bei den Erntearbeiten im vergangenen Herbst die Felder stark zerfahren. Strukturschwache, das heißt kalkarme Böden haben zum Teil großen Schaden genommen. Die Behebung dieser tiefreichenden Verdichtungen ist ein langwieriger und schwieriger Prozeß.

Was für ein Gefühl mag die Rübenanbauer im Herbst 1998 begleitet haben, als es dauernd regnete und die Erntebedingungen immer schwieriger wurden. Die Nerven mancher Landwirte lagen angesichts der unumgänglichen Kraftakte ganz schön blank. Dank modernster Technik und dem unermüdlichen Einsatz der Organisatoren ist es gelungen, die Ernte doch noch ganz einzubringen.

Der Boden ist der Verlierer

Verlierer bei diesem Kraftakt war in der Regel der Boden. Selbst terrabereifte Rübenroder sind bis auf die Pflugsohle eingesunken und nicht selten bis zur Achse eingesackt. Unter diesen Feuchtigkeitsverhältnissen war die Eigenstabilität des Bodens weitgehend verlorengegangen, weil das Wasser zwischen den einzelnen Bodenteilchen wie ein Schmierfilm wirkte. Hohe Achs- und Radlasten führten letztendlich dazu, daß die Bodenteilchen dichter zusammengepreßt und ineinander verschachtelt wurden.

Das Porenvolumen, vor allem der Anteil der Grob- und Mittelporen, wurde dabei erheblich verringert und der Feinporenanteil zu Lasten der Luftporen deutlich erhöht. Es entstand ein Kompaktgefüge, mit einer Verschlechterung des Wasser- und Lufthaushaltes sowie der Durchwurzelbarkeit des Standortes.

Dadurch wird das Wachstum von Pflanzen und Mikroorganismen erheblich beinträchtigt. Für das Pflanzenwachstum noch entscheidender ist jedoch die Tatsache, daß die für die Pflanze nutzbare Wasserspeicherung, aber auch die Wasser- und Luftleitfähigkeit des Bodens, abnehmen (Horn et al., 1991). Äusserliches Erscheinungsbild solcher Bodenzustände sind bei Trockenheit, neben Wassermangel für die Pflanzen, übergroße Schrumpfrisse und bei größeren Niederschlägen mangels unzureichender Wasserversickerung und Oberflächenverschlämmung Luftmangel für die Pflanzen- und Bodenerosion.

Standorte mit guter Kalkversorgung werden weniger geschädigt

Aus vielen Untersuchungen über die physikalischen Bodeneigenschaften ist bekannt, daß ton- und schluffreiche Böden im pH-Bereich größer 6,5 eine geringere Lagerungsdichte und deshalb eine höhere Gefügestabilität aufweisen. Die einzelnen Bestandteile eines Bodenkrümels (Sand, Schluff, Ton, Humus) werden erst durch freien Kalk in eine stabile Form gebracht.

Ein Kalkversuch am Lehrstuhl für Pflanzenernährung der TU München, Freising-Weihenstephan von 1978 bis 1993 auf einem schluffreichen Standort zeigt sehr deutlich die Verbesserung der Bodeneigenschaften, die durch eine Aufkalkung von pH 5,5 auf pH 6,6 erreicht werden konnte.

siehe Tabelle 1

In der Arbeit von Dr. G. Schuhbauer über Änderungen von Eigenschaften verschiedener Böden Bayerns durch Meliorationskalkung (1980)

siehe Tabelle 2

wird ebenfalls über eine deutliche Verbesserung der Gefügestabilität und der Wasserdurchlässigkeit berichtet.

Viele Helfer sind nötig

Diese tiefreichenden Strukturschäden werden in sehr vielen Flächen noch eine lange Nachwirkung zeigen, da zur Schadensbehebung eine Reihe positiv wirkender Faktoren zusammenkommen müssen. Ein verdichteter Unterboden kann durch die normale Bodenbearbeitung nicht gelockert werden. Mechanische Tiefenlocherung und starker Bodenfrost können, verbunden mit einer guten Kalkversorgung und tiefwurzelnden Zwischenfrüchten die Voraussetzung für einen nachhaltigen Strukturaufbau durch ein aktives Bodenleben sein.

Peter Kratzer

Tabelle1

Kalkversuch Weihenstephan
1978 - 1993

Veränderung von physikalischen Bodeneigenschaften

Parameter

ohne Kalk

mit Kalk

Zu-/Abnahme %

Lagerungsdichte

1,52

1,43

6

Porenvolumen

42

45

7

weite Grobporen
enge Grobporen

2
4

4
7

100
75

Feinporen

(20)

(18)

(10)

Wasserfiltration
rel.

100

196

96

Boden: uL, Ergeb. 1987
LSt Pflanzenernährung, Dr. R. Gutser

Tabelle 2

Eine gute Kalkversorgung schützt besonders Lößböden vor
Verschlämmung und der Erosionswirkung des Wassers
(nach Schuhbauer) 1980

pH-Wert

freier Kalk

Gefügestabilität
(gewogener mittlerer
Durchmesser) %

Wasserdurchlässigkeit der
Ackerkrume

6,3

(-)

100

100

7,0

(+)

147

263