Bei Speisekartoffeln nach der Ernte kalken
Kalkzeitpunkt richtet sich nach der Verwertung
7 bis 12 % mehr Ertrag bei Kartoffeln – das ist das Ergebnis einer ausreichenden Kalkversorgung der Böden. Und beim Kalken kommt es nicht nur auf die Menge an. Auch der Ausbringungszeitpunkt und die Art des Kalkes sind entscheidend.
Stärke-, Speise- und Industriekartoffeln benötigen zur Ertrags- und Qualitätsausschöpfung optimale Bodenverhältnisse hinsichtlich der Nährstoffversorgung und der Bodenstruktur.
Prinzipiell sollte bei Kartoffeln in zwei Verwertungsrichtungen differenziert werden:
- Verwertungslinien, bei der Oberflächenschorf ein Qualitätskriterium darstellt, wie zum Beispiel Speise-, Veredelungs- und Pflanzkartoffel und
- Verwertungslinien, bei der Oberflächenschorf kein Qualitätskriterium ist, wie zum Beispiel bei der Stärke- und Brennereikartoffel.
Bei Speise-, Veredelungs- und Pflanzkartoffeln stellt Oberflächenschorf ein Qualitätskriterium dar. Die Schorfinfektion der Knolle hängt wiederum von mehreren Faktoren ab. So haben die eingesetzte Sorte, die Bodenart, die Bodenstruktur, der pH-Wert und die Durchlüftung, das heißt die Sauerstoff- und Wasserverhältnisse im Damm während des Knollenansatzes, einen Einfluß auf den Schorfbefall. Um von der Kalkdüngung her das Risiko der Infektion zu minimieren, wird bei dieser Verwertungsrichtung die Kalkung nach der Kartoffelernte empfohlen, um so einen optimalen pH-Wert und eine gute Bodenstruktur für die nachfolgenden Kulturen aufzubauen.
Für Standorte mit schlechter Siebfähigkeit empfiehlt sich eine Damm- oder Kopfkalkung, da bei dieser Art der Kalkung der pH-Wert und die Bodenstruktur im Knollenbereich nicht verändert wird.
Auf mittleren bis mittelschweren Standorten sollte dies mit 10 bis 15 dt Branntkalk vor dem Häufeln oder Fräsen stattfinden. Bei leichten bis mittleren Böden kann dies mit dem Granulat DOLOKORN (Kohlensaurer Magnesiumkalk 90, 60 % CaCO3, 30 % MgCO3) in einer Aufwandmenge von 20 bis 30 dt pro Hektar erfolgen. Neben Kalk wird bei der Maßnahme auch Magnesium für die Kartoffel ausgebracht.
Bei Stärke- und Brennereikartoffeln ist eine optimale Kalkversorgung anzustreben, da Ertrag und Stärke durch den richtigen pH-Wert stark beeinflußt werden.
Für die Kalkung der leichten, schwach gepufferten Standorte empfiehlt es sich, die schon oben aufgeführte Damm- oder Kopfkalkung mit DOLOKORN durchzuführen.
Bei mittleren und mittelschweren Böden sollte man im Herbst des Vorjahres kalken, wenn man eine optimale Struktur und Nährstoffverfügbarkeit des Bodens bekommen will.
Auf solchen Bodentypen sollte auch eine betont physiologisch saure Stickstoffdüngung mit zum Beispiel schwefelaurem Ammoniak vor dem Häufeln oder Fräsen überdacht werden. Durch diesen Säureeintrag wird wertvoller Kalk, der zum Strukturaufbau des Dammes notwendig ist, verbraucht, eine Dichtlagerung der Dämme ist die Folge.
Untersuchungen von Dr. Wichtmann in einem siebenjährigen Kalkungsversuch mit mehreren Kartoffelsorten zeigen, daß der Ertrag der Verkaufsware um 7 % und der Stärkeertrag um 12 % durch eine Kalkung gesteigert werden kann (siehe Tabelle).
Die Bayerische Landesanstalt für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur in München hat Ackerschlagkarteibetriebe hinsichtlich der Kalkversorgung der Kartoffelanbaufläche untersucht. Dabei wurde u. a. auch Ertrag und Deckungsbeitrag selektiert. Bei mittleren Böden ergibt sich ein Ertragsunterschied von über 70 dt je Hektar zwischen einer niedrigen und optimalen Kalkversorgung. Ebenso erhöhte sich der Deckungsbeitrag um mehr als 1.000 DM je Hektar.
Für die Erhaltungskalkung ist auf mittleren Standorten Kohlensaurer Kalk beziehungsweise bei Magnesiumbedarf Kohlensaurer Magnesiumkalk mit 30 dt je Hektar einzusetzen. Bei mittelschweren Böden ist aufgrund der guten Bodenlockerungswirkung Branntkalk in einer Aufwandmenge von 15 dt je Hektar zu empfehlen.
Peter Kratzer



